Newsletter

10/2019 

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mit diesem Newsletter möchten wir Sie regelmäßig mit allen Neuigkeiten aus der Münchener Universitätsgesellschaft und vielen interessanten Themen aus der Ludwig-Maximilians-Universität versorgen. Gerne nehmen wir auch Ihre Wünsche und Anregungen auf. Schreiben Sie uns unter info@unigesellschaft.de.

Die Reihe Alumni im Portrait berichtet heute über Fritz Bauer und Christian Zott .

Veranstaltungen:

Lesung in der Villa: Liebeskampf! Geschlechterkampf! Klassenkampf!, Gedichte von Bertolt Brecht
Einführung und Kommentare: Prof. Dr. Oliver Jahraus, Lehrstuhl für neuere Deutsche Literatur, LMU
Lesung: Julia Weirich, Studierende an der Fakultät für Psychologie und Pädagogik, LMU

am Dienstag, den 29. Oktober 2019 um 19.00 im Center for Advanced Studies der LMU, Seestraße 13, 80802 München

An einem besonderen Ort möchten wir den Mitgliedern der Universitätsgesellschaft, aber auch den Empfängern dieses Newsletters Besonderes bieten: In den repräsentativen Räumen des Center for Advanced Studies der LMU sollen Gedichte von Bertolt Brecht vorgestellt, erläutert und vorgetragen werden. Anschließend soll der Abend bei guten Gesprächen, einem kleinen Imbiss und einem Glas Wein ausklingen.
Wir bitten Sie sich zu dieser Veranstaltung bis zum 24.10.2019 anzumelden, die Plätze sind limitiert. Sie können dies unter info@unigesellschaft.de tun oder Frau Debertin unter +49.89.3302916-22 anrufen. Über Ihre Spende in Höhe von 50,00 € bis 150,00 €, versehen mit dem Vermerk „Lesung in der Villa“, freuen wir uns sehr. Vielen Dank.

 

LMU Alumni im Portrait

Studenten der LMU sind erfolgreich, manche hinterlassen historische Spuren, manche bekleiden Spitzenpositionen in unserer Welt. Unter dieser Rubrik porträtieren wir Alumni der LMU jeweils der Vergangenheit und der Gegenwart.

So haben wir Ihnen unter anderen schon vorgestellt: Vier Präsidenten unserer Bundesrepublik, einige Regisseure, den Intendanten des Bayerischen Rundfunks und den Schriftsteller von James Bond, einen wissenschaftlichen Shooting-Star, die wohl berühmtesten Studenten der LMU und alle Ministerpräsidenten des Freistaates, die Alumni der LMU waren oder sind.

Die Reihe Alumni im Portrait berichtet heute über Fritz Bauer und Christian Zott .

 

Fritz Bauer

Studium der Rechtswissenschaften an der LMU

 

Fritz Bauer kam nach München zur LMU in dem Sommersemester, in dem die Münchener Universitätsgesellschaft gegründet wurde. Wie zerrissen war das Leben in der Stadt: Auf der einen Seite das um seine Verpflichtungen bewusste Bürgertum (etwa die Gründer der Universitätsgesellschaft[1]), auf der anderen Seite Studenten wie Herrmann Göring und Rudolf Heß. Der kommandiert die SA. Die 11. Hundertschaft der „Sturm Abteilung“ besteht komplett aus Studenten, und in reichsweiten studentischen Gremien erreichen völkische Gruppen die Mehrheit.

Bei seinen Münchener Freunden ist Fritz Bauer anfangs eher bekannt für seine Zuneigung zu griechischem Theater und zu Goethe. Aber als Walter Rathenau ermordet wird, beziehen Fritz Bauer und seine Freunde Position. Die Studenten ziehen sich an einen Ort in den Alpen zurück und beraten: Was muss nun geschehen? Was können wir eigentlich tun? Die jungen Leute schreiben einen Brief an einen Mann, den sie über alles liebten, der ihre Jugend über viele Jahre bestimmt hatte und von dem sie glauben, dass er nun nicht schweigen kann und nicht schweigen darf. Sie schreiben an Thomas Mann, der den Studenten sehr höflich antwortet, aber erst nach einer Weile, im Herbst Stellung nimmt. Da aber stellt er sich mit der bedeutenden Rede „Von deutscher Republik“ klar und unmissverständlich hinter die neue Staatsform Deutschlands. Übrigens sehr zum Entsetzen der Öffentlichkeit, dort sprach man von „Saulus Mann“ von „Mann über Bord“ und von „Verrat“.

Sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, und damit sechs Jahre nach Ende der Nationalsozialisten ist deren Gedankengut noch lange nicht tot. Die Sozialistische Reichspartei mit roten Armbinden, schwarzen Hosen und langen Schaftstiefeln gewinnt 16 Mandate im niedersächsischen Landtag, in 35 Gemeinden erreicht sie die absolute Mehrheit. Otto Ernst Remer konnte beim Attentat des 20. Juli als kleiner Major punkten und kam durch persönliche Interventionen von Hitler und Goebbels zu großen Ehren. Nun ist er einer der Wortführer der Sozialistischen Reichspartei und brüstet sich mit seiner Tat. Bei einer Wahlkampfveranstaltung ruft er in den Saal: „Die Verschwörer sind … Landesverräter …, die vom Ausland bezahlt wurden. … sie werden vor einem deutschen Gericht sich zu verantworten haben“. Ein ehemaliger Widerstandskämpfer will das nicht so stehen lassen und erstattet Strafanzeige. Die Anzeige droht sang- und klanglos in den Akten zu verschwinden, da zieht Fritz Bauer, seit Kurzem Generalstaatanwalt in Braunschweig, die Sache an sich. Ihm gelingt es, die große Aufmerksamkeit auf den Prozess zu ziehen, und die Öffentlichkeit versteht: Hier geht es nicht so sehr um Remer, den Star der Nazi Wiedergänger, sondern der 20. Juli selbst kommt vor Gericht. Und deshalb wurde es ein großer Prozess. Bauer prägte dabei den Satz: „Ein Unrechtsstaat, der täglich Zehntausende Morde begeht, berechtigt jedermann zur Notwehr“. Und in Richtung der Deutschnationalen schilderte er die urdeutschen Wurzeln des Ungehorsams gegen Tyrannen. Er zitiert dabei Schiller. Schließlich hat er zusammen mit Stauffenberg den Wilhelm Tell auf dem Gymnasium in Stuttgart zur Aufführung gebracht. - Das Gericht verurteilte Remer zu drei Monaten Haft wegen Beleidigung. Die große Debatte, die Aufarbeitung der schwierigen Vergangenheit Deutschlands, die begann hier auf der kleinen Bühne des Braunschweiger Landgerichtes.

Fritz Bauers Werk galt dem Aufbau einer demokratischen Justiz, der konsequenten strafrechtlichen Verfolgung nationalsozialistischen Unrechts und der Reform des Straf- und Strafvollzugsrechts[2]. Der Höhepunkt seines Wirkens, die Frankfurter Auschwitzprozesse wären ohne seinen hartnäckigen Einsatz wohl nicht zustande gekommen. Die Tatbeteiligten wurden größtenteils nur zu wenigen Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. Dennoch besteht das Verdienst Bauers darin, durch die von ihm angestrengten Prozesse die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust eingeleitet zu haben. Unterstützung erhielt er damals von Peter Weiss, dessen Theaterstück über den Prozess mit großem Erfolg gleichzeitig an fünfzehn west- und ostdeutschen Theatern (damals stand die Mauer schon !!) sowie in London, uraufgeführt wurde.

Fritz Bauer wurde Anfang des letzten Jahrhunderts geboren, kurz nach dem ersten Weltkrieg begann er Rechtswissenschaft zu studieren, zunächst in Heidelberg, dann an der LMU, dann in Tübingen. Nach seiner Promotion wurde Bauer jüngster Amtsrichter in der Weimarer Republik.

Von früh an war Bauer politisch aktiv. Er war Mitgründer des Republikanischen Richterbundes in Württemberg, er trat der SPD bei und übernahm den Vorsitz der Ortsgruppe Stuttgart des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold[3]. Im Zusammenhang mit Planungen zu einem gegen die Machtübergabe der Nationalsozialisten gerichteten Generalstreik wurde Bauer acht Monate im KZ inhaftiert, dann aber wieder aus der Haft entlassen. Aus dem Staatsdienst, seinem Amt als Richter, wurde er entlassen.

Er emigrierte nach Dänemark, später konnte er nach Schweden fliehen, wo er mit Willy Brandt, Bruno Kreisky und anderen zusammenarbeitete.

Vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Bauer nach Deutschland zurück, wurde Landgerichtsdirektor in Braunschweig und dort bald Generalstaatsanwalt. Auf Initiative des Ministerpräsidenten Georg-August Zinn wurde er in das Amt des hessischen Generalstaatsanwalts mit Sitz in Frankfurt am Main berufen, das er bis zu seinem Tod innehatte.


[1] Zu den ersten Mitgliedern gehörten Personen, deren Namen auch heute noch einen Klang haben: Hans Pfitzner, Walther Meuschel, Franz Kustermann, Wilhelm Kisskalt, Max Hirmer, Ricarda Huch, Johannes Freiherr von Gumppenberg, Max Bullinger, Hans Schnorr von Carolsfeld, Karl Scharnagl, Thomas Mann, Karl Ritter von Marr, Heinrich Sedlmayr, Robert Riemerschmid, Alfred Pringsheim.

[2]  Prof. Dr. Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt am Main machte mich auf die zwei exzellenten Biografien von Ronen Steinke und Irmtrud Wojak aufmerksam.

[3] Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold wurde als überparteiliches Bündnis von der SPD, der liberalen Deutschen Demokratischen Partei und der katholischen Zentrumspartei gegründet. Mit diesem demonstrativen Schulterschluss reagierten die Demokraten auf die zahlreichen Morde sowie die links- und rechtsextremistischen Putschversuche in den Anfangsjahren der Weimarer Republik. Schnell entwickelte sich das Reichsbanner zu einer Massenorganisation mit mehr als drei Millionen Mitgliedern. Neben fünf Reichskanzlern waren bekannte Mitglieder des Reichsbanners u.a. Philip Scheidemann, Otto Wels, Julius Leber, Kurt Schumacher, Fritz Bauer, Paul Löbe und Theodor Heuss. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde das Reichsbanner verboten.


 

 

Christian Zott

Studium der Philosophie an der LMU

 

Christian Zott kam zur LMU, als er schon alles erreicht hatte, was ein global agierender, erfolgreicher Mann erreichen kann. Wenn andere sich gerne auf den Lorbeeren des bisher Geschaffenen ausruhen, sucht und findet Christian Zott neue Betätigungen. Und jedes Mal ist er tatkräftig, unbeirrt und durchsetzungsstark:

Christian Zott ist Abenteurer. Nach dem Wehrdienst und vor dem Studium der Ingenieurswissenschaften geht er mit zwei Freunden in die Wildnis Kanadas, nur um zu wissen, ob er allein in der Natur, hunderte von Kilometer entfernt von der nächsten Siedlung zurechtkommen kann. Später wandert er sieben Monate vom Südwesten Portugals bis zum Bosporus. Er durchquert Alaska im Kanu.

Christian Zott ist Unternehmer: mSE Solutions, seine Gründung, plant und steuert zunächst Produktionsprozesse. Dann im Zuge der Globalisierung richtet Christian Zott den Fokus auf die End-to-End-Optimierung von Wertschöpfungsketten, mSE ist heute Innovationsträger, vielfach preisgekrönt im Bereich Supply-Chain-Management.

Christian Zott ist Liebhaber und Förderer der Malerei. Er gründet in München die Kunstplattform ZOTT Artspace. Insbesondere mit der Ausstellung „KAIROS. Der richtige Moment“, die in Venedig eröffnet wurde, macht er international Furore. Die Idee ist zündend: Wolfgang Beltracchi malt Bilder, die bedeutende Momente der europäischen Geschichte zeigen und die so auch die größten Maler unseres Planeten hätten malen können.

Christian Zott ist Förderer der Wissenschaft: Durch die Münchener Universitätsgesellschaft fördert er die Byzantinistik an der LMU. Zwei Forschungsstellen untersuchen die Rolle von Byzanz im öffentlichen Bewusstsein Westeuropas und werden so dazu beitragen, dieses Forschungsgebiet stärker in die Öffentlichkeit zu bringen.

Christian Zott ist heimatverbunden: Er bringt einen Bildband heraus über das oberbayerische Ammertal, in dem er geboren wurde, und setzt sich in einem Prolog und einem Epilog mit dem Begriff Heimat und was er für ihn bedeutet auseinander. In diesen Tagen wird der mSE Campus in Unterammergau eröffnet; in der dortigen Kunsthalle wird die Sammlung von Christian Zott der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.