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06/2018 

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wir laden Sie herzlich ein zur Eröffnungsveranstaltung der Reihe Ringvorlesung im Wintersemester 2017/2018 mit dem Thema: Big Data & Data Ethics: Möglichkeiten und Gefahren.

Mit der diesjährigen Ringvorlesung sollen die Möglichkeiten von Big Data und Data Science aufgezeigt, dabei aber besonders auch auf die ethischen und rechtlichen Probleme von Big Data bzw. des Datenschutzes eingegangen werden.

Weitere Information finden Sie unter: www.lmu.de/ringvorlesung.

Viel Spaß bei der Lektüre. 

 

Ringvorlesung 2017/2018

 

Podiumsdiskussion: Wem gehören meine Daten?

Dienstag, den 17.10.2017, 19.15 Uhr
LMU, Hauptgebäude, Geschwister-Scholl-Platz 1
Hörsaal B 101

Grußwort: Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Wirsing

Gäste auf dem Podium: Dr. Andreas Dewes (Datascientist), Dr. Michael Menhart (Münchner Rück), Prof. Dr. Thomas Petri (Bay. Landesbauftragter für den Datenschutz), Prof. Dr. Thomas Augustin (LMU)

Moderation: Svea Eckert (NDR Journalistin und Autorin)

Für das gesamte Programm der Ringvorlesung bitte hier klicken

 

LMU Alumni

 

Studenten der LMU sind erfolgreich, manche hinterlassen historische Spuren, manche bekleiden Spitzenpositionen in unserer Welt. Unter dieser Rubrik porträtieren wir Alumni der LMU jeweils der Vergangenheit und der Gegenwart.

So haben wir Ihnen unter anderen schon vorgestellt: Vier Präsidenten unserer Bundesrepublik, den Intendanten des Bayerischen Rundfunks und den Schriftsteller von James Bond, einen wissenschaftlichen Shooting-Star, die wohl berühmtesten Studenten der LMU und alle Ministerpräsidenten des Freistaates, die Alumni der LMU waren oder sind.

Heute stellen wir Ihnen Johannes Eck und Friedrich Wilhelm Graf vor.

 

Johannes Eck

Professor für Theologie an der Universität in Ingolstadt

Spannender konnte es nicht sein:

Martin Luther hatte am 31. Oktober 1517 seine Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt. Die Diskussion über Glaubensfragen nahm immer mehr Fahrt auf, sie beschäftigte den gesamten europäischen Raum, insbesondere natürlich auch die Spitze der Kirche in Rom. Position und Gegenposition wurden entwickelt, geschrieben, gedruckt, verteilt und mit allergrößtem Interessen gelesen. Es gab in der damaligen Welt nichts Spannenderes als die Auseinandersetzung über religiöse Fragen und der Buchdruck sorgte dafür, dass weite Kreise schnell und gründlich informiert waren. Erst der Buchdruck, die Medien der damaligen Zeit, ermöglichten den gleichzeitigen Diskurs der gleichen Themen zur gleichen Zeit.

Einer insbesondere konnte Luther Paroli bieten: Johannes Eck. Er kam aus einfachen Verhältnissen, arbeitete sich aber schnell empor: Mit 22 Jahren Priesterweihe in Straßburg, anschließend Promotion in Freiburg und mit 24 Jahren Professor an der aufstrebenden Universität in Ingolstadt (die inzwischen LMU heißt).

Eck galt als herausragender Rhetoriker, seine außergewöhnliche Bildung machten ihn schnell an den wichtigen Plätzen der damaligen Welt bekannt. Er erregte bei einer Disputation zur Frage des Zinsverbotes an der damals weltberühmten Universität Bologna Aufsehen. In der zentralen Frage des Zinsnehmens plädierte er, der Kontakte zum Bankhaus Fugger in Augsburg hatte, im Sinne einer damals modernen Position für einen Zins von fünf Prozent. Dieser Mut zur Verteidigung dessen, was sich schon längst in der Praxis durchgesetzt und bewährt hatte, ließ Eck in den Augen seiner Kritiker als Fuggerknecht, Opportunist und Handlanger des Großkapitals erscheinen.

In der Auseinandersetzung mit Luther wurden die Unterschiede in der Haltung zum Ablass, zur Willensfreiheit, zur Rechtfertigung und zum Papsttum immer offensichtlicher, schließlich kam es zur Leipziger Disputation: Eck gegen Luther - Der füllige weit gereiste Professor Eck mit seiner stählernen Stimme gegen den damals noch schmächtigen Mönch Luther.

Eck verteidigte vehement die Lehrautorität von Papstamt und Konzilien. Luther hielt dagegen, dass weder Papst noch Konzil höchste Autorität in Glaubensdingen besitzen. Luther verstieg sich sogar zur Aussage, dass nicht alle Thesen des Jan Hus, die das Konstanzer Konzil verdammt hatte, häretisch seien. Einige davon seien sogar ganz christlich und evangelisch. Diese Behauptung war zu der damaligen Zeit so unerhört, dass Herzog Georg von Sachsen fluchend mit den Worten „Das walt die Sucht!“ vom Stuhl aufsprang: Der endgültige Bruch zwischen Luther und Rom war vollzogen.

 

Natürlich betrachteten sich beide Lager als Sieger in der Auseinandersetzung, wenn auch - zumindest aus jetziger Sicht - Eck der Gewinner war. Andererseits wurde durch die Veröffentlichung der Disputationstexte Luthers Auffassungen breit publiziert. Damit war das Streitgespräch ein bedeutendes zeitgeschichtliches Ereignis für die Herausbildung und Verbreitung des Lutherischen Gedankengutes.

Im Nachgang der Leipziger Disputation hatte Johannes Eck solange nicht geruht, bis er in Rom die Bannbulle gegen Luther erwirkte. Aber Eck begründete seine Ablehnung des Protestantismus auch wissenschaftlich, da diese Richtung seiner Ansicht nach ein verfälschender Eingriff in die geistlich-theologische Tradition des Christentums war. Eck mahnte innerkatholisch Reformen an, so eine Verbesserung der Priesterausbildung und die Abschaffung des Ablassmissbrauchs.

Besondere Bedeutung hat die Bibelübersetzung von Johannes Eck, die zu den katholischen Korrekturbibeln zählt. Sprachwissenschaftlich ist sie ebenfalls interessant, da sie nicht wie die Lutherbibel in einem ostmitteldeutschen Sächsisch, sondern in einem eher bairischen Oberdeutsch verfasst ist.

Besonderen Eifer zeigte Eck als Prediger, wie seine handgeschriebenen Predigtskizzen dokumentieren. In der Verkündigung des Wortes Gottes sah er seine Hauptaufgabe. Eck ist im Ingolstädter Münster in der Nähe der Sakramentskapelle bestattet.

NB.: Im März 2017 fand in der Katholischen Akademie eine Tagung statt über Luther und Eck, die von den beiden Fakultäten der LMU, also der Katholischen und der Evangelischen Fakultät der LMU gemeinsam organisiert wurde. Der Tagungsband wird in diesen Tagen veröffentlicht: https://www.allitera-verlag.de/buch/luther-und-eck

 

Friedrich Wilhelm Graf

Studium, Promotion, Habilitation und Professor für Evangelische Theologie an der LMU

- ökumenische Schnapsidee – zur Idee den Papst 2017 nach Wittenberg oder auf die Wartburg einzuladen

- Unkulturprotestantismus und Klerikalliga Süd – in der Debatte um Strukturreform in Bayern

- Sozialholdings der Kirchen – in der Diskussion über kirchliches Unternehmertum

Wie passen solche zugespitzten Formulierungen zu einem der bedeutendsten Wissenschaftler unserer Tage?

Zunächst zur Vita: Friedrich Wilhelm Graf studierte evangelische Theologie, Philosophie und Geschichte in Wuppertal, Tübingen und München. Dort promovierte und habilitierte er sich. Nach einem Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft folgte der Ruf an die Universität Augsburg. Elf Jahre später dann der Ruf an die LMU.

Friedrich Wilhelm Graf hat bedeutende Ehrungen und Anerkennungen erfahren: Als erster Theologe wurde Graf mit dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet; er ist ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften; er wurde Mitglied des Vorstands der Ernst-Troeltsch-Gesellschaft und später deren Präsident; er war Gründungsfellow des Max-Weber-Kollegs an der neugegründeten Universität Erfurt; er war Erster Vorsitzender des Trägervereins des Instituts Technik-Theologie-Naturwissenschaften an der LMU.

Wie lässt sich dieser Widerspruch zwischen hochgeehrtem Wissenschaftler und pointiert formulierendem, oft aggressiv wirkendem Theologen auflösen? Lassen wir doch Friedrich Wilhelm Graf selbst zu Wort kommen. In seiner Abschiedsvorlesung sagte er: Es geht mir um theologische Aufklärung, die Religion und speziell die diversen modernen Christentümer in ihren teils positiven, teils leider auch negativen, destruktiven Zügen ernst zu nehmen versucht.

Aus dem sich dann entwickelnden Diskurs über theologische Aufklärung soll hier nur der Abschnitt über die Kritik modernen Sakraltransfers herausgegriffen werden (verkürzt):

Das endliche Mängelwesen Mensch sucht die Defizite seiner selbst auch dadurch zu kompensieren, dass es seine Welt gern mit Sakralität ausstattet. Oft wurden politische Einheiten wie die Nation oder der Staat so sakralisiert, dass ihnen eine Aura des Gottgegebenen, Ewigen, immer schon Gültigen eignete. Gern wurden die Kriege der Nation legitimiert, indem man sie zum „Heiligen Krieg“ und „Kampf für die Sache Gottes“ stilisierte. Solche Übertragungen des Religiösen ins Politische sollen die emotionale Bindungskraft weltlicher Institutionen erhöhen und deren Legitimitätsgrundlagen stärken. Doch das ist gefährlich und wenig freiheitsdienlich, weil durch die behauptete Aura des Sakralen politische Ordnung als nicht mehr kritisierbar erscheint. Der Staat ist nur ein weltlich Ding, und wer Endlichem einen Heiligenschein gibt, erzeugt nur Scheinheiligkeit. Theologische Aufklärung sucht die semantischen Strategien der Instrumentalisierung religiöser Sprache und Symbole für weltliche Zwecke transparent zu machen und so Nüchternheit im Umgang mit Macht und Herrschaft zu erzeugen. Deshalb schreibt sie die Überlieferungen negativer Theologie fort, die es verhindern wollten, dass aus Gottes souveräner Allmacht menschliche Herrscher autoritäre Machtansprüche ableiten. Wer von Gott nicht bloß plappern und Unbedingtes ernst nehmen will, muss von Gott gerade so reden, dass deutlich wird, wann prägnant zu schweigen ist.  

Und zum Schluss noch eine „kleine Liebeserklärung“ an die Universität, in concreto die LMU: Ich halte an der alteuropäischen Überzeugung fest, dass in erster Linie die Universität die Institution des gebildeten und sich bildenden Geistes ist, in der man unbequeme Fragen stellen kann und muss.