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08/2018 

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wir laden Sie herzlich zu einer weiteren Veranstaltung unserer erfolgreichen Reihe "drinnen & draußen" ein: Wissenschaft unter Druck am Mittwoch, den 6. Dezember 2017 um 19.00 s.t. Große Aula der LMU.

Über die Wissenschaft im Spannungsfeld neuer Mauern und Zwänge diskutieren Spitzenforscher, Journalisten, Vertreter der Wirtschaft und Professoren der LMU. Gerade uns Mitgliedern der Universitätsgesellschaft sollte der Wert der Wissenschaft am Herzen liegen. Setzen Sie daher mit dem Besuch dieser Veranstaltung ein Zeichen!

 

drinnen & draußen

Die neue Folge aus der Reihe drinnen & draußen wird in der Sendereihe "denkzeit" bei ARD Alpha am Samstag, den 24.02.2018 ausgestrahlt.

Zur Mediathek bitte hier klicken.


ARD-alpha Sendetermin: 24.02.2018, 22.30 Uhr

denkzeit: WISSENSCHAFT UNTER DRUCK

Über die Wissenschaft im Spannungsfeld neuer Mauern und Zwänge diskutieren Spitzenforscher, Journalisten, Vertreter der Wirtschaft und Professoren der LMU.

Wir konnten folgende Diskutanten gewinnen:

• Dr. Bettina Orlopp, Mitglied des Vorstands der Commerzbank

• Prof. Dr. Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft

• Dr. Patrick Illinger, Leiter des Ressorts "Wissen" bei der SZ

Prof. Dr. Harald Lesch, Lehrstuhl für Astronomie und Astrophysik, LMU

Prof. Dr. Armin Nassehi, Lehrstuhl am Institut für Soziologie, LMU

Moderator: Prof. Dr. Dr. Peter Höppe, Head of Geo Risks Research / Corporate Climate Centre at Munich Re

Zum Flyer bitte hier klicken.

Lesen Sie hier den Veranstaltungsbericht.

 

"drinnen & draußen" ist eine Veranstaltungsreihe der Münchener Universitätsgesellschaft.

Zu wichtigen Themen wird die universitäre Kompetenz den Sichtweisen und Erfahrungen der betroffenen Gesellschaftskreise gegenübergestellt.

Die Münchener Universitätsgesellschaft möchte die LMU stärker mit der Öffentlichkeit vernetzen, Brücken schlagen, gerade auch dort, wo unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungshaltungen das Verständnis füreinander schwierig gestalten.   

 

 

LMU Alumni

 

Studenten der LMU sind erfolgreich, manche hinterlassen historische Spuren, manche bekleiden Spitzenpositionen in unserer Welt. Unter dieser Rubrik porträtieren wir Alumni der LMU jeweils der Vergangenheit und der Gegenwart.

So haben wir Ihnen unter anderen schon vorgestellt: Vier Präsidenten unserer Bundesrepublik, den Intendanten des Bayerischen Rundfunks und den Schriftsteller von James Bond, einen wissenschaftlichen Shooting-Star, die wohl berühmtesten Studenten der LMU und alle Ministerpräsidenten des Freistaates, die Alumni der LMU waren oder sind.

Heute stellen wir Ihnen Bertold Brecht und Max Wagner vor.

 

Bertold Brecht

Studium der Philosophie und der Medizin an der LMU

In der Dachkammer hat alles angefangen: Der Schüler Brecht traf sich dort mit Freunden, man diskutierte, man schrieb, man las vor, man sang und Brecht bestimmte.

Diesen Arbeitsstil hat Brecht sein Leben lang angewendet[1], er arbeitete im Kollektiv, hörte zu, änderte, las oder sang vor und die endgültige Fassung trug eindeutig seine Handschrift. So entstand die sehr enge Verbindung des Literarischen mit anderen Künsten, mit Grafik und Bühnenbild und vor allem mit der Musik.

Die Dachkammer war in einem stattlichen Haus am Rande der Stadt Augsburg, wo der Vater zwei Wohnungen mit sechs Zimmern bewohnte. Bert Brecht, ein wohlbehüteter Knabe aus bürgerlichen Verhältnissen, brachte regelmäßig gute, wenn auch nicht sehr gute Zeugnisse nach Hause. Er erhielt Klavier-, Geigen- und Gitarrenunterricht, freilich schlug nur der letztere an.

Brecht war spindeldürr und von schlechter Gesundheit. Hinzu kamen Herzbeschwerden mit Panikattacken und Todesängsten. Brecht ergab sich nicht ohnmächtig, sondern kämpfte die Ängste nieder, mit demonstrativer Großmannssucht und erhöhter Kraftmeierei. Eingeübt wurde so eine Haltung der Kühle und Distanz, die ihm zu einer dritten Natur werden sollte.

Aus der Dachkammer kamen dann auch die ersten Produktionen, viele Gedichte, zu einigen stand er auch später noch, vor allem aber Rezensionen und Prosatexte in lokalen und regionalen Medien.

In dieser Zeit begann auch der Reigen der Geliebten, der bis zu seinem Tod nicht mehr abreißen sollte. In dieser Zeit umwarb er die Schülerin Rosa Maria Amann, deren Name später in den Titel eines seiner bekanntesten Gedichte einging. Bald trat jedoch die Liebe zu Paula Banholzer in den Vordergrund, die er „Bi“ nannte (für Bittersweet oder „Bittersüß“).

Nach einem kriegsbedingten Notabitur schreibt sich Brecht an der Philosophischen Fakultät der LMU ein, und als ihm aber ein halbes Jahr später die Einberufung droht, schreibt er sich für das Medizinstudium ein, schließlich will er im Ernstfall lieber Sanitäter als Frontsoldat sein. Das Studium setzt er nur halbherzig fort, sein Engagement gilt dem Literaturbetrieb in München. Zur Klampfe singt er seine Lieder, immer neue Texte entstehen, die Zuhörer sind von seiner Vortragskunst entzückt. Er lernt Karl Valentin kennen und spielt bald in dessen Orchester die Klarinette.

Dem Ersten Weltkrieg folgt das Ende der Wittelsbacher Herrschaft und die Revolution; Brecht berührt das nicht, er ist und bleibt unpolitisch. Auch für das sowjetische Gesellschaftsexperiment, dem einmal seine große Bewunderung gelten wird, zeigt er noch wenig Interesse. Statt aufs Kollektiv setzt Brecht auf den rücksichtslosen Lebensgenuss. Er wird exmatrikuliert, weil der Medizinstudent sich zu keiner Vorlesung mehr einschrieb.

Andererseits arbeitet Brecht an zwei Bühnenstücken, Baal und Trommeln in der Nacht. Hoffnungsvoll verschickt er seine Arbeiten an kulturelle Autoritäten, deren Reaktion aber ablehnend ist. Er überarbeitet die Stücke immer wieder und versucht erneut sie zu platzieren. Dann hat Brecht Erfolg: In den Münchener Kammerspielen kommen die Trommeln in der Nacht unter der Regie von Otto Falckenberg zur Aufführung. Lion Feuchtwanger, der damals dramaturgischer Berater an den Kammerspielen war, hatte sich für den jungen Dichter eingesetzt. Das Stück basiert zwar auf einem revolutionären Arbeiteraufstand in Berlin, Brecht gibt der Handlung aber eine völlig unpolitische Wendung, die Hauptfigur verlässt die Revolte, der er sich kurzzeitig anschließt, um in die Arme seiner Geliebten zu versinken: Das große weiße, breite Bett ist weitaus attraktiver als die Revolution.

Mit einer Lobeshymne befördert die Kritik Brecht in die Autorenelite Deutschlands. Er erhält den Kleist Preis, es folgen weitere Uraufführungen, am Münchner Residenztheater Im Dickicht und in Leipzig Baal. Durch geschickte Verhandlungen sichert sich Brecht ein monatliches Fixum eines Verlages. Brecht ist etabliert.

Nun wandelt sich Brecht zum politischen Schriftsteller, zum überzeugten Kommunisten (ohne der KPD beizutreten) und verfolgt fortan mit seinen Werken politische Ziele. Ein wichtiger theatertheoretischer Aufsatz sind die Anmerkungen zur Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Die Zusammenarbeit mit Kurt Weill in mehreren musikdramatischen Werken ist für die Entstehung des epischen Theaters wesentlich. Mit der Dreigroschenoper feiert das Duo Brecht / Weill einen der größten Theatererfolge der Weimarer Republik.

Schon sehr früh hatte sich Brecht über die Nazis und den „Anstreicher“ Hitler lustig gemacht. Das vergaßen sie ihm nie. Immer mehr wird Brecht zur Zielscheibe nicht nur der Nazis, sondern des gesamten rechten Feuilletons, polizeiliche Maßnahmen werden gefordert und durchgesetzt. Am Tag nach dem Reichstagsbrand verlässt Brecht Deutschland, noch am Tag seiner Flucht durchsucht die Polizei seine Wohnung, seine Konten werden gesperrt; zwei Jahre später nimmt man ihm die deutsche Staatsbürgerschaft.

Brecht findet für mehr als fünf Jahre ein Zuhause in Dänemark, Reisen nach Paris, London, Moskau, New York City bringen unterschiedliche Erfolge für den Dichter, der sich sämtlichen Fremdsprachen verschließt. Dennoch sind die Jahre im dänischen Exil literarisch äußerst produktiv, es entsteht Lyrik und vor allem Das Leben des Galilei und Mutter Courage und ihre Kinder, zwei seiner meistgespielten und meistgerühmten Dramen.

Brecht muss Dänemark wegen der deutschen Eroberung Skandinaviens verlassen, zusammen mit der Familie zieht er für ein Jahr nach Schweden, aber auch dort fühlt er sich nicht sicher und nach einem weiteren Jahr in Finnland tritt er die Reise in die USA an und lässt sich in Hollywood nieder. Gegenüber den beschaulichen skandinavischen Exilorten ist er in den USA mit einer Kultur konfrontiert, der er schon in den ersten Wochen seines Aufenthaltes mit abwehrendem Hass begegnet. Und in keiner Phase seines Schriftstellerlebens ist Brecht so wenig produktiv wie im amerikanischen Exil. Natürlich versucht er die Nähe der großen Filmstudios zu nutzen, um als Drehbuchautor Fuß zu fassen. Mehr als 50 Filmentwürfe sind während seines achtjährigen Aufenthaltes entstanden: Gescheitert ist er mit nahezu allen.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt in Amerika die Zeit der hysterisch anmutenden antikommunistischen Hexenjagd. Auch Brecht muss vor einem Ausschuss zur Untersuchung „unamerikanischer Umtriebe“ aussagen; einen Tag danach steigt er ins Flugzeug nach Paris. Über Zürich erreicht er schließlich Ostberlin, wo er als prominenter Künstler empfangen wird.

Nach einem überwältigenden Erfolg der Mutter Courage am Deutschen Theater unter der Regie von Brecht mit Helene Weigel in der Hauptrolle, wird dem Duo Weigel / Brecht eine eigene Theatertruppe zugeteilt, das Berliner Ensemble, zunächst im Deutschen Theater, später im Theater am Schiffbauerdamm.

Brecht hofft, wenn auch im Osten ansässig, in ganz Deutschland wirken zu können. Dazu besorgt er sich – noch staatenlos – die österreichische Staatsbürgerschaft, was weder Wien noch Ostberlin goutieren. Überhaupt trifft Brecht nicht wirklich den Ton der Mächtigen. Seine Stücke werden von den Zensoren buchhalterisch begutachtet, ihre klassenkämpferische Qualität wird bisweilen als unzureichend eingestuft. Dennoch verhält er sich der DDR Regierung gegenüber durchgängig loyal, selbst wenn ihn die kleinbürgerliche Gesinnung der Minister und Funktionäre abstößt, vor allem die des Parteivorsitzenden Walter Ulbricht.

Die DDR Zeit Brechts ist geprägt von Regietätigkeit, Werkbearbeitungen sowie kulturpolitischem Engagement; in seinen letzten Lebensjahren wächst die Anerkennung und Achtung, die man Brecht und seinem Werk entgegenbringt.

 

Zum Abschluss sein Sonett Nr. 19  

Nur eines möcht ich nicht: daß du mich fliehst.
Ich will dich hören, selbst wenn du nur klagst.
Denn wenn du taub wärst, braucht ich, was du sagst
Und wenn du stumm wärst, braucht ich, was du siehst

Und wenn du blind wärst, möcht ich dich doch sehn.
Du bist mir beigesellt, als meine Wacht:
Der lange Weg ist noch nicht halb verbracht
Bedenk das Dunkel, in dem wir noch stehn!

So gilt kein: »Laß mich, denn ich bin verwundet!«
So gilt kein »Irgendwo« und nur ein »Hier«
Der Dienst wird nicht gestrichen, nur gestundet.

Du weißt es: wer gebraucht wird, ist nicht frei.
Ich aber brauche dich, wie’s immer sei.
Ich sage ich und könnt auch sagen wir.

 


[1] Diese Zusammenfassung orientiert sich an der rowohlts monographie von Reinhold Jaretzky

 

Max Wagner

Studium der Rechtswissenschaft an der LMU

Kulturmanager mit vielen Facetten: Jurastudium in München und Paris, anschließend noch ein Gesangsstudium in Dresden und Mainz. Als Bassbariton trat Max Wagner bei Liederabenden und auf Opernbühnen auf; daneben arbeitete er als Rechtsanwalt, vor allem in den Bereichen Erbrecht und Verbraucherinsolvenz. Als das Stuttgarter Kammerorchester darbte, Max Wagner brachte es als Geschäftsführender Intendant wieder auf Vordermann.

Danach gelang ihm das schier Unglaubliche: Er wurde Geschäftsführender Direktor an der Seite von Intendant Josef E. Köpplinger und beide führten das Gärtnerplatztheater auf dem langen Weg durch die Wüste der Renovierung: Jahrelang gab es Produktionen abseits des eigentlichen Hauses, man spielte in Zelten, in Reithallen, im Zirkus, im Prinzregententheater, und die Zuschauer wurden immer mehr, ein Erfolg folgte dem anderen. Jetzt ist das Gärtnerplatztheater ins eigene Haus zurückgekehrt, Max Wagner hat eine neue Aufgabe begonnen.

Er ist Geschäftsführer des Gasteig, Europas größtem Kulturzentrum mit fünf großen Sälen und so unterschiedlichen Institutionen wie den Münchener Philharmonikern, der Volkshochschule, der Stadtbibliothek und der Hochschule für Musik und Theater. Mit mehr als 1.700 Veranstaltungen pro Jahr spannt der Gasteig sein Angebot von Musik, Theater, Show, Tanz, Film und Ausstellungen bis hin zu Kursen, Vorträgen, Konferenzen und Kongressen. Themen der Zeit werden aufgenommen, und immer wieder heißt es Stellung beziehen.

Max Wagner liegt daran, den „Juwel“ Gasteig mit all seinen Facetten sichtbar zu machen; es ist ihm aber auch sehr wichtig, dass das Zusammenwirken mit den anderen Kulturinstitutionen in München gelingt, mit den neuen und alten Konzertsälen, den Theatern, den Museen, den Hochschulen, den Akademien. In einem SZ-Interview sagte er dazu: „Es geht nur gemeinsam. Man verteidigt nicht seinen Fürstenhof, sondern findet Spaß daran, zusammen zu spielen.“

Der Gasteig ist inzwischen älter als 30 Jahre, seine Generalsanierung ist beschlossen. Die technischen Anlagen werden erneuert, die Fenster sollen offener und lichter werden und auch der Carl-Orff-Saal dürfte neu konzipiert werden. Das Gebäude wird (ebenso wie vormals das Gärtnerplatztheater) geschlossen, ein Ausweichquartier ist schon einmal ausgewählt, aber natürlich liegen die Entscheidungen beim Münchener Stadtrat.

Als wäre das alles nicht genug: Max Wagner hat die Federführung beim Faust-Festival übernommen. Fünf Monate lang wird München 2018 im Zeichen von Goethes berühmtestem Drama stehen, mehr als 500 Events wird es geben: Ausstellungen, Konzerte, Filmvorführungen, Vorträge, literarische Veranstaltungen, Theaterproduktionen, Tanzvorstellungen, Partys, Führungen, Wettbewerbe und vieles mehr. Alle sollen sich mit den vielfältigen Facetten des Faust-Stoffes auseinandersetzen.

Aber noch einmal zurück: Mit Bertold Brecht, dem anderen Alumnus dieses Newsletters, verbindet Max Wagner etwas Besonderes: Während seines Gesangsstudiums in Dresden hat er sich mit Kommilitonen zusammengetan und Werke von Brecht aufgeführt. Im Wechsel wurden Tagebucheintragungen aus der Zeit des Exils gelesen und Gedichte, meist in der Vertonung von Kurt Weill, gesungen. Eines kann Max Wagner noch heute (fast vollständig) aufsagen:

 

Erinnerung an die Marie A

1
An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

2
Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: Ich kann mich nicht erinnern.
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: Ich küsste es dereinst.

3
Und auch den Kuss, ich hätt' ihn längst vergessen
Wenn nicht die Wolke da gewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
Die Pflaumenbäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.