Newsletter

07/2020 

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mit diesem Newsletter möchten wir Sie regelmäßig mit allen Neuigkeiten aus der Münchener Universitätsgesellschaft und vielen interessanten Themen aus der Ludwig-Maximilians-Universität versorgen. Gerne nehmen wir auch Ihre Wünsche und Anregungen auf. Schreiben Sie uns unter info@unigesellschaft.de.
 

Wir danken Ihnen sehr für Ihr Interesse an unseren Newslettern und freuen uns, wenn Sie weiterhin die Aktivitäten der Münchener Universitätsgesellschaft verfolgen. 

Spenden für Studierende:
Vor kurzem haben wir Sie um eine Spende für Studierende gebeten, die finanzielle Schwierigkeiten mit der Umstallung des Studiums auf einen online Betrieb haben. Sehr zu unserer Freude sind inzwischen zahlreiche und namhafte Spenden eingegangen; der Vorstand der Universitätsgesellschaft möchte sich schon einmal auf diesem Wege hierfür bedanken. Als Partner für Beratung und Umsetzung der Hilfsaktion haben wir das Studentenwerk gewonnen, das bereits in etwa einem Dutzend von Fällen helfen konnte. Sicherlich werden wir bald mehr berichten können.

Veranstaltungen 2020:
Nachdem wir bereits einige Veranstaltungen, die wir für Sie in diesem Jahr geplant hatten, aufgrund der Corona-Krise absagen mussten, geben wir Ihnen auf unserer Internetseite www.unigesellschaft.de einen Überblick über unsere Veranstaltungsplanungen in diesem Jahr, die wir immer aktualisieren.

Dennoch kurz zur Mitgliederversammlung unserer Gesellschaft, die wir, wenn immer möglich, mit unseren Mitgliedern persönlich und real abhalten wollen. Der Austausch untereinander und das Erleben ausgewählter Projekte und Personen hat für den Vorstand einen ganz außergewöhnlichen Stellenwert. Wie Sie auf der Internetseite sehen, wollen wir die Veranstaltung in den Herbst verschieben.

Jahresbericht: Momentan wird der Bericht Korrektur gelesen, dann geht er in den Druck und wird anschließend an die Mitglieder versandt. Wieder enthält er ein buntes Kaleidoskop von Schilderungen der von uns geförderten wissenschaftlichen Projekte, Zusammenfassungen unserer Veranstaltungen und natürlich den Rechenschaftsbericht, wohin die finanziellen Mittel geflossen sind. – Seien Sie gespannt.

 

 

LMU Alumni im Portrait

Studenten der LMU sind erfolgreich, manche hinterlassen historische Spuren, manche bekleiden Spitzenpositionen in unserer Welt. Unter dieser Rubrik porträtieren wir Alumni der LMU jeweils der Vergangenheit und der Gegenwart.

So haben wir Ihnen unter anderen schon vorgestellt: Vier Präsidenten unserer Bundesrepublik, einige Regisseure, den Intendanten des Bayerischen Rundfunks und den Schriftsteller von James Bond, einen wissenschaftlichen Shooting-Star, die wohl berühmtesten Studenten der LMU und alle Ministerpräsidenten des Freistaates, die Alumni der LMU waren oder sind.
Die Reihe Alumni im Portrait berichtet heute über Romano Guardini und Christoph Klein.

 

Romano Guardini

Studium der Nationalökonomie an der LMU und später Lehrstuhl für Religionsphilosophie und christliche Weltanschauung

 

Jeden Sonntag um 11 Uhr während des Semesters füllt sich St. Ludwig[1], die Münchener Universitätskirche, bis auf den letzten Platz: Romano Guardini[2] zelebriert die Messe und predigt. Wie kein anderer weiß er zu der Jugend zu sprechen und sie zu bewegen. Der inzwischen Fünfundsiebzigjährige versteht es, den Zwanzigjährigen nahezukommen wie ein Freund – so nahe, dass sein Anliegen das ihrige wird.

Dabei ist Guardini nicht das, was man gemeinhin unter einem großen Rhetor versteht. Er konnte über eine Stunde sprechen, ohne je ein Wort durch eine Geste zu unterstreichen, ohne je die Stimme zu erheben, während Hunderte an seinen Lippen hingen. Seine Rede wirbt. Er spricht wie einer, der seine Schüchternheit gemeistert hat und der sie umgewandelt hat in Demut. So redet er nicht zu den Menschen, sondern in sie hinein, nicht zu den vielen, sondern zu jedem einzelnen. Die Ansprache ist zur Zwiesprache geworden. Guardini ist nie der Wissende, nur immer ein selbst Suchender, aber einer, der die ganze Wahrheit sucht.

Dabei war sein erster Aufenthalt an der Münchener Universität ein vollständiger Misserfolg. Er hatte schon ein abgebrochenes Studium hinter sich, als er Nationalökonomie in München und dann auch in Berlin studierte. Aber auch das schlug fehl. Er entschied sich, Priester zu werden. Diese Entscheidung war vor allem seinen Eltern, die mit dem kleinen Romano aus Verona nach Mainz zogen und dort im Großhandel zu einigem Wohlstand kamen, nur schwer erklärbar. Aber Guardini blieb entschlossen, wohl weil die Entscheidung unbewusst seit langem grundgelegt war.

Sein Theologiestudium absolvierte er in Freiburg im Breisgau und Tübingen, in Mainz wurde er zum Priester geweiht, in Freiburg wiederum promovierte er, und die Universität Bonn habilitierte ihn. Der akademische Weg führte ihn dann nach Berlin, wo ihn der preußische Kultusminister auf einen Lehrstuhl für Religionsphilosophie und katholische Weltanschauung berufen wollte. Aber der Widerstand der evangelisch-theologischen und der philosophischen Fakultät erzwang eine taktische Lösung: Guardini wurde an die Universität Breslau berufen mit ständigem Lehrauftrag in Berlin.

Aber Guardini war kein Fachtheologe, seine eigentliche Aufgabe sah er nicht darin, die Forschung eines theologischen Faches fortzuführen, vielmehr wollte er mit wissenschaftlicher Verantwortung und auf hoher geistiger Ebene die christliche Wirklichkeit deuten.

Und so wurde die Jugendarbeit ein ganz wichtiger Schwerpunkt seines Wirkens, in Ergänzung zu den akademischen Herausforderungen seines Lehrstuhles und den Messen und Gottesdiensten, die er in Berlin zelebrierte.

In der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen engagierte sich Guardini vor allem im katholischen Jugendbund Quickborn mit seiner Tagungsstätte Burg Rothenfels am Main und der Zeitschrift Die Schildgenossen. Was Guardini am Schreibtisch durchdachte, vom Katheter aus lehrte, in seiner Seelsorge versuchte, wurde in Rothenfels mit der Jugend unmittelbar erprobt, besprochen und zuweilen durchgekämpft. Guardini ist es zu verdanken, dass sich die katholische Jugendbewegung aus ihren teilweise allzu harmlosen, unreifen Zielen löste und zu einer vertieften Fragestellung, einer neuen geistigen Verantwortung und einer klareren Selbstdeutung fand.

Dann aber schrieb der neue Staat der Nationalsozialisten seinen Bürgern eine Weltanschauung vor, die den Glauben an Blut und Boden, an den Führer und die Göttlichkeit der nordischen Rasse zur Pflicht machte. Ein Lehrstuhl für katholische Weltanschauung stand hierzu in unerträglichem Widerspruch. Guardinis Professur wurde aufgehoben, Quickborn wurde aufgelöst, Rothenfels wurde beschlagnahmt, Die Schildgenossen mussten eingestellt werden. Guardini selbst zog sich zu Freunden im Allgäu zurück.

Nach dem Krieg setzte sich Carlo Schmid für ihn ein, und er wurde an die Universität Tübingen berufen; drei Jahre später folgte er dem Ruf an die LMU. Hier war es wieder das Zusammenwirken von Kanzel und Katheder, das Guardini so sehr befriedigte.

Bleibende Verdienste hat sich Guardini – neben seinen vielen Publikationen – um die Liturgie, um die Gestaltung des katholischen Gottesdienstes erworben. Einer Einladung zum II. Vatikanischen Konzil, als Theologe in der Liturgie-Kommission mitzuwirken, musste er wegen seiner schwächlichen Gesundheit ablehnen. Wir hier in München haben ihm noch einiges mehr zu verdanken: Er war einer der Gründer der Katholischen Akademie in München; sie wurde offiziell von Kardinal Wendel eröffnet, den Festvortrag aber hielt Guardini in der Großen Aula der LMU. Lassen wir ihn gerade zur Wechselwirkung zwischen Universität und Akademie noch einmal selbst zu Wort kommen:

„Die Universität muss bleiben, was sie ist: Eine Schule des Forschens. Aber neben der Universität brauchen wir Stätten menschlicher Bildung. Da soll ein lebendiges Bild von der Welt und vom Menschen in ihr entstehen. Das alles aber einbezogen in die tief und voll gesehene Wahrheit des Glaubens, an ihr gemessen und geordnet.“


[1] Das Bild ist das Relief an einer Säule in St. Ludwig

[2] Die Darstellung orientiert sich an den beiden Biografien von Gerl-Falkovitz und Kuhn

 

 

Christoph Klein

Studium der Medizin und der Philosophie an der LMU und jetzt Direktor des Dr. von Haunerschen Kinderspitals, des Kinderkrankenhauses der LMU

 

Christoph Klein machte an der LMU zwei Abschlüsse: zunächst das medizinische Staatsexamen, dann den Magister Artium in Philosophie.

Auch wenn er sich nach dem Studium in erster Linie der klinischen Medizin und nicht den Geisteswissenschaften widmete, verlor er seine Liebe zur Weisheit nie. Das Studium der Philosophie prägte und begleitete ihn immer auf seinem Weg als Arzt und Wissenschaftler. Er begann seine Weiterbildung zum Pädiater am Dr. von Haunerschen Kinderspital, doch bald zog es ihn ins Ausland: Am Hôpital Necker in Paris, der ältesten Kinderklinik der Welt, erhielt er eine Schwerpunktausbildung in pädiatrischer Immunologie. Am Boston Children’s Hospital, dem weltweit führenden Kinderkrankenhaus der Harvard Medical School, absolvierte er ein klinisches Fellowship in pädiatrischer Hämatologie/Onkologie und lehrte im Anschluss dort als Dozent.

Ein Ruf der Medizinischen Hochschule Hannover holte ihn zurück nach Deutschland, zunächst als Oberarzt, dann als Ärztlicher Direktor der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, bis er schließlich als Direktor der Universitäts-Kinderklinik an die Ludwig-Maximilians-Universität München wechselte.

Lassen Sie uns noch ein paar Schlaglichter auf diesen Mediziner werfen, der als erster Kinderarzt den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhielt, sozusagen den deutschen Nobelpreis.

Schon aus seinem Werdegang wird deutlich, wie weit und wie stark Christoph Klein international vernetzt ist. So war es ihm auch möglich, vor etwa 10 Jahren die gemeinnützige und rechtsfähige „Care for Rare Foundation“ ins Leben zu rufen, die sich insbesondere für Kinder mit seltenen Erkrankungen einsetzt. Diese Kinder, die Waisen der Medizin, stehen in vielfältiger Hinsicht im Schatten: lange Odysseen von Arzt zu Arzt und häufige Fehldiagnosen bestimmen ihr Leben. Immer noch sind viele seltene Erkrankungen unheilbar. Nur durch verstärkte Forschungsanstrengungen und internationale Zusammenarbeit lässt sich dieses Schicksal wenden. Die aktuelle Coronavirus-Pandemie macht uns klar, wie dringend wir auf die Wissenschaft angewiesen sind, um rasche Diagnostik zu ermöglichen, lebensrettende Therapien zu entwickeln und präventive Maßnahmen verfügbar zu machen – ohne Ansehen von Herkunft oder der finanziellen Möglichkeiten.

Seltene Krankheiten, wissenschaftlicher Betrieb an einer der besten Universitäten, Arzt sein in einer Klinik für besondere Patienten, für manchen tut sich hier ein schier unüberbrückbares Spannungsfeld auf. Nicht aber für Christoph Klein. Er selbst sagt: „Ich bin Kinderarzt. Mein Ansinnen ist es seit frühen Tagen an, Gutes zu tun für Kinder. Das Ziel zu heilen und die Achtung der Würde jedes Menschen müssen immer im Vordergrund stehen. Auch wenn das Streben nach Erkenntnis wichtig ist, bleibt es nachrangig." Die Mutter eines seiner Patienten beschreibt Klein als einen Arzt, der „sehr an den Kindern hängt, der unglaublich gut mit ihnen umgehen kann, der sich für sie aufreibt". Ihr Sohn, erzählt sie, habe ihr gesagt: „Für den Professor würde ich mir sogar noch mal eine Chemo geben lassen." Denn vergessen wir nicht, Klein ist Onkologe und Hämatologe, behandelt also Krankheiten, die bei Kindern oft das Ende ihres kurzen Lebens bedeuten.

Und noch ein Spagat gelingt Christoph Klein: Als Klinikdirektor muss er sich immer mehr mit den Folgen struktureller Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen auseinandersetzen. Die Vergütungsarithmetik orientiert sich an erwachsenen Patienten, belohnt standardisierbare Prozesse, technikintensive und personalarme Maßnahmen. Kinder aber lassen sich nicht durchtakten und sind auf menschliche Zuwendung angewiesen. In der Folge sind Kinderkliniken, die ein breites Spektrum an Fachdisziplinen vorhalten, chronisch unterfinanziert. Christoph Klein setzt sich dafür ein, dass die Prinzipien der UN Kinderrechtskonvention auch im Gesundheitswesen mehr Beachtung finden, dass die Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte kranker Kinder respektiert werden.

Er betont, dass die Krankheiten bei Kindern nie auf eine Dimension des Biologischen reduziert werden dürfen, auch die seelischen, sozialen und spirituellen Dimensionen von Gesundheit und Krankheit müssen immer mitbetrachtet werden. Es gilt Sorge zu tragen, dass Kinder wieder Kind sein dürfen und in ihrem Kindsein Wertschätzung erfahren.