Newsletter für Freunde und Förderer der Universität München

06/2018 

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zum Jahresende informieren wir Sie stolz über die besondere Anerkennung unserer Arbeit mit der Auszeichnung "Hochschulperle" und stellen Ihnen gleich vier! Staatsoberhäupter vor, die alle an der Ludwig-Maximilians-Universität studiert haben. Viel Spaß bei der Lektüre.

Allen unseren Mitgliedern, aber auch allen Lesern dieses Newsletter wünschen wir auch auf diesem Weg frohe Festtage und ein glückliches Neues Jahr.

 

Hochschulperle für drinnen & draußen

 

Wir sind sehr stolz auf die Auszeichnung "Hochschulperle" für unsere Veranstaltungsreihe "drinnen & draußen".

Hochschulperlen sind innovative, beispielhafte Projekte, die in einer Hochschule realisiert werden. Weil sie klein sind, werden sie jenseits der Hochschulmauern kaum registriert. Weil sie glänzen können, sollten sie aber auch andere Hochschulen schmücken. Der Stifterverband stellt jeden Monat eine Hochschulperle vor, aus denen die Hochschulperle des Jahres gekürt wird.

An der LMU München stellt sich die Wissenschaft der Praxis. Wissenschaftler der Uni diskutieren mit Praktikern über gesellschaftlich relevante Themen und fördern so den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Dafür verleiht der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft dem Projekt „drinnen & draußen“ jetzt die Hochschulperle des Monats Dezember.

Dem Initiator der Reihe, unserem Vorstandsmitglied Dr. Jürgen Römpke wird demnächst ein hochrangiger Repräsentant des Stifterverbandes die Urkunde persönlich überreichen.

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LMU Alumni

 

Vier Studenten der LMU waren in ihrem Wirken so erfolgreich, dass sie an die Spitze unseres Staates berufen wurden: Theodor Heuss, Gustav Heinemann, Karl Carstens und Roman Herzog. Deswegen stellen wir Ihnen in diesem Newsletter gleich drei Alumni aus der Vergangenheit und einen Alumnus der Gegenwart vor.

 

Theodor Heuss

1905: Student an der LMU
1949 bis 1959: 1. Staatsoberhaupt der BRD

Heuss studierte Nationalökonomie, Literatur, Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte und Staatswissenschaften an der Münchner und an der Berliner Universität. 1905 wurde er an der LMU über Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar promoviert.

Schon während des Studiums war er journalistisch tätig, und diesem Beruf widmete er sich auch im Anschluss an seine Ausbildung. Sein politisches Engagement führte ihn zur Gründung der Deutschen Demokratischen Partei, für die er bald in den Reichstag einzog. 1932 veröffentlichte Heuss ein Buch über Adolf Hitler, durch das er sich den Zorn der Nationalsozialisten zuzog. Im Jahr darauf verlor er sein Reichstagsmandat und seine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Politik, konnte jedoch - zum Teil unter einem Pseudonym - bis Kriegsende weiter publizieren.

Er zog mit der Familie nach Heidelberg, wo er vor allem an einer Biographie über Robert Bosch arbeitete, um die Bosch ihn noch kurz vor seinem Tod gebeten hatte, und lebte dort bis 1945.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Lizenzträger für eine der ersten Nachkriegszeitungen – die heute noch bestehende Rhein-Neckar-Zeitung . Die amerikanische Militärregierung ernannte ihn zum ersten Kultusminister Württemberg-Badens.

Heuss wirkte bei der Bildung des Bundesverbands der liberalen westdeutschen Parteien mit, der sich unter dem Namen Freie Demokratische Partei (FDP) gründete; Heuss wurde ihr erster Bundesvorsitzende.

Als Mitglied des Parlamentarischen Rats hatte er großen Anteil an der Formulierung des Grundgesetzes.

Das gerade erworbene Mandat im ersten Deutschen Bundestag legte er nieder, als er gegen Kurt Schumacher von der Bundesversammlung ins höchste Staatsamt der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde und zunächst seinen Amtssitz auf der Viktorshöhe bezog, erst ein Jahr später bezog er die Villa Hammerschmidt.

Heuss prägte das Amt durch seine überparteiliche Amtsführung. Als Repräsentant der demokratisch-liberalen und kulturellen Traditionen Deutschlands vermochte er im Ausland Vertrauen für die Nachkriegsrepublik zu gewinnen.

Die Londoner Times schrieb: „Professor Heuss war außergewöhnlich erfolgreich als Bundespräsident und verkörperte bis zur Perfektion das Konzept des gebildeten Ehrenmanns (‚Scholar and Gentleman‘) unter den extrem schwierigen Umständen, in denen sich Deutschland selbst fand, nachdem Hitlers Aggressionskrieg verloren war. Er tat als formelles Staatsoberhaupt, was er konnte, um das Image des Landes als eins der Dichter, Philosophen und Musiker wiederherzustellen.“

 

Gustav Heinemann

1919: Student an der LMU
1969 bis 1974: 3. Staatsoberhaupt der BRD

Schon seit der achten Klasse wollte Heinemann Rechtsanwalt werden. Sein Studium der Rechtswissenschaft und politischen Wissenschaft absolvierte er an den Universitäten von Münster, Marburg, München, Göttingen und Berlin. Seine erste Promotion erfolgte zum Dr. phil. an der Philipps-Universität in Marburg, da die Staatswissenschaften damals noch in der philosophischen Fakultät angesiedelt waren. In Münster erfolgte seine Promotion zum Dr. jur.

Er arbeitete als Justitiar und Prokurist bei den Rheinischen Stahlwerken Essen, deren stellvertretendes Vorstandsmitglied er wurde. Während des Nationalsozialismus gehörte er der Bekennenden Kirche an (eine Untergruppe der evangelischen Kirche, die den Machtanspruch des Nationalsozialismus nicht akzeptierte). Unter anderem war er Mitglied des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland und Präses der Gesamtdeutschen Synode.

Schon als Student engagierte sich Heinemann in den Studentengruppen der Deutschen Demokratischen Partei. Nach dem Krieg war er ehrenamtlicher Oberbürgermeister von Essen für den Landesverband der CDU, den er mitbegründet hatte, dann auch Justizminister von Nordrhein-Westfalen und schließlich Bundesinnenminister.

Nach einem Jahr trat er jedoch zurück, weil er nicht akzeptieren wollte, dass Bundeskanzler Adenauer den Westmächten ohne Absprache ein deutsches Kontingent für eine europäische Armee angeboten hatte. In der "Notgemeinschaft für den Frieden Europas" sammelte Heinemann Gegner der Remilitarisierung um sich, die aus seiner Sicht eine Gefahr für die Wiedervereinigung darstellte. Er wechselte von der CDU in die SPD. In der Großen Koalition war er Bundesjustizminister.

Als eines seiner wichtigsten Anliegen als Bundespräsident bezeichnete Heinemann die Überwindung der Untertänigkeit und die Erziehung der Deutschen zu mündigen Menschen mit bürgerlichem Handeln und Verhalten, die sich aktiv für die freiheitliche Demokratie, die Rechtsstaatlichkeit und soziale Gerechtigkeit einsetzen sollten.

In einem Interview sagte er, er wolle lieber ein "Bürgerpräsident" sein als ein "Staatspräsident“. Außenpolitisch lagen ihm die Aussöhnung mit den europäischen Nachbarländern und die Förderung des Friedens in Europa am Herzen.

Seine Einstellung zum Thema Patriotismus hatte er schon lange vor seiner Wahl auf die Frage, ob er diesen Staat, die Bundesrepublik, als Bewerber um die Bundespräsidentschaft denn nicht liebe, in vielzitierter Weise deutlich gemacht: „Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!“

 

Karl Carstens

1936: Student an der LMU
1979 bis 1984: 5. Staatsoberhaupt der BRD

Nach dem Abitur am Alten Gymnasium in Bremen absolvierte Carstens ein Studium der Rechtswissenschaft in Frankfurt am Main, Greifswald, Dijon, München, Königsberg und Hamburg, und promovierte anschließend. Später erwarb er an der Yale Universität in Connecticut einen Master of Law und habilitierte sich in Köln, wo er das Institut für das Recht der Europäischen Gemeinschaften leitete.

Durch seine Tätigkeit beim Bund wurde Carstens von Walter Hallstein für die Stellung als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim Europarat entdeckt. Das Auswärtige Amt stellte ihn ein, in dem er schließlich Ständiger Stellvertreter des Außenministers wurde.

Carstens trat der CDU bei. Während der Großen Koalition wechselte er als Staatssekretär erst ins Verteidigungsministerium, dann zu Kurt-Georg Kiesinger ins Bundeskanzleramt.

Als die CDU ihn 1979 als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten aufstellte, warf die Presse ihm seine frühere NSDAP-Mitgliedschaft vor. Dennoch gewann Carstens die Wahl.

Durch Objektivität und Volksnähe - bekannt sind seine Wanderungen durch die Bundesrepublik - erwarb er das Vertrauen der Menschen.

 

Roman Herzog

1953: Student an der LMU
1994 bis 1999: 7. Staatsoberhaupt der BRD

Nach dem mit der Durchschnittsnote 1,0 bestandenen Abitur absolvierte Herzog ein Studium der Rechtswissenschaft in München, wo er auch zum Dr. jur. promovierte und sich habilitierte. Er lehrte als Privatdozent an der LMU bis er einem Ruf an die Freie Universität in Berlin folgte.

Herzog trat der CDU bei; er wurde ordentliches Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche.

Nachdem er fünf Jahre lang die rheinland-pfälzische Landesvertretung in Bonn geleitet hatte, trat er als Kultusminister in die Stuttgarter Landesregierung ein und übernahm dann das Amt des Innenministers, indem er durch seine Bereitschaft, rechtsstaatliche Grundsätze auch mit Härte durchzusetzen, von sich reden machte.

Er ging als Vizepräsident an das Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe und übernahm ein paar Jahre später das Amt des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts.

In der durch den Fall der Mauer eröffneten Debatte um eine Erneuerung des Grundgesetzes sprach Herzog sich für mehr Kompetenzen der Länder, eine Neuordnung der Finanzverfassung und die Aufnahme von Volksabstimmungen ins Grundgesetz aus.

Bei der Wahl zum Bundespräsidenten setzte sich Herzog im dritten Wahlgang gegen Johannes Rau durch. Er war der erste Bundespräsident, der von Anfang an seinen ersten Amtssitz in Schloss Bellevue in Berlin hatte.

Redegewandt und humorvoll, bezog Herzog zu den grundlegenden Problemen der Gesellschaft deutlich Stellung. Er setzte sich dafür ein, dass das wiedervereinigte Deutschland nun auch weltpolitisch Verantwortung übernehme. Aufsehen erregte er, als er sich deutlich gegen alle Ansprüche auf ehemalige deutsche Ostgebiete aussprach, wodurch er sich bei den Vertriebenen nicht nur Freunde machte.

Noch heute ist sein Wort vom "Ruck", der durch Deutschland gehen müsse, in aller Munde. In einer Rede im Hotel Adlon - der ersten "Berliner Rede", deren Tradition seine Nachfolger fortsetzten - hatte er 1997 mit diesem Begriff mehr Reformbereitschaft und Änderungswillen angemahnt und dadurch eine Diskussion geprägt, die noch viele Jahre andauern sollte.